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BGH verhandelt über mögliche Rückerstattungen bei illegalen Online-Glücksspielen

David Frank · Sep 23, 2026

BGH verhandelt über mögliche Rückerstattungen bei illegalen Online-Glücksspielen

Bundesgerichtshof in Karlsruhe während einer Verhandlung zu Glücksspielrecht

Am 17. September 2026 fand vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe eine mündliche Verhandlung im Verfahren I ZR 216/25 gegen Tipico Games Ltd. statt und das Gericht untersuchte dabei die Frage, ob Spieler Anspruch auf Erstattung von Verlusten aus illegalen Online-Casino-Angeboten haben, die sowohl vor als auch nach Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 entstanden sind. Dieses Leitentscheidungsverfahren könnte Auswirkungen auf Tausende ähnlicher Klagen haben, während das Gericht nach dem EuGH-Urteil vom April 2026 tendenziell eine Bestätigung der Rückerstattungsrechte in Betracht zieht.

Hintergründe zum Verfahren und zum Glücksspielstaatsvertrag

Der Bundesgerichtshof prüft in diesem Fall die rechtliche Lage zu Online-Glücksspielen, die vor dem teilweisen Ende des totalen Verbots durch den zwischenstaatlichen Vertrag von 2021 stattfanden, und Beobachter verfolgen den Fortgang genau, weil frühere nationale Regelungen in Deutschland Online-Casinos weitgehend untersagten. Der Vertrag von 2021 schuf neue Rahmenbedingungen für regulierte Angebote, doch viele Kläger fordern weiterhin Rückzahlungen für Verluste aus der illegalen Phase und stützen sich dabei auf zivilrechtliche Ansprüche gegen Anbieter wie Tipico Games Ltd. Experten haben beobachtet, dass solche Verfahren oft auf Grundlage von § 812 BGB oder wettbewerbsrechtlichen Vorschriften geführt werden und das Leitentscheidungsverfahren soll nun eine einheitliche Linie für die Instanzgerichte schaffen.

Die Rolle des EuGH-Urteils vom April 2026

Im April 2026 entschied der Europäische Gerichtshof, dass EU-Recht nationale Verbote von Online-Glücksspielen und damit verbundene Erstattungsansprüche nicht untersagt, und dieses Urteil bildet den Hintergrund für die aktuelle BGH-Verhandlung. Richter des Bundesgerichtshofs äußerten während der Sitzung Tendenzen, die eine Bejahung der Rückerstattungsrechte nahelegen, während sie gleichzeitig die Auswirkungen auf den deutschen Markt abwägen. Daten aus vergleichbaren Verfahren zeigen, dass bereits mehrere Oberlandesgerichte ähnliche Ansprüche zugelassen haben, und das Karlsruher Gericht könnte mit seiner Entscheidung weitere Klagen ermöglichen oder einschränken.

Auswirkungen auf Tausende von Klagen

Das Verfahren gilt als Leitentscheidung, weil es grundsätzliche Fragen zur Durchsetzbarkeit von Verlustrückforderungen klärt und damit potenziell Tausende anhängige Fälle beeinflusst, die Spieler gegen Betreiber illegaler Plattformen eingereicht haben. Anwälte berichten, dass viele Betroffene Verluste aus der Zeit vor 2021 geltend machen, während andere auch nach dem neuen Vertrag noch auf nicht lizenzierte Angebote zurückgriffen. Statistiken aus der Justiz deuten darauf hin, dass die Zahl derartiger Zivilprozesse in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist, und eine klare Linie des BGH könnte die Bearbeitung dieser Fälle beschleunigen oder verlangsamen.

Richterbank im Gerichtssaal mit Fokus auf Glücksspielrecht

Rechtliche Fragen im Detail

Im Zentrum der Verhandlung stehen Themen wie die Wirksamkeit von Spielverträgen bei illegalen Angeboten, die Möglichkeit von Bereicherungsansprüchen und die Vereinbarkeit mit europäischem Recht, während das Gericht prüft, ob Spieler ihre Verluste als rechtsgrundlos erbrachte Leistungen zurückfordern können. Tipico Games Ltd. argumentiert in dem Verfahren gegen eine generelle Erstattungspflicht und verweist auf die regulatorischen Veränderungen seit 2021, doch die Richter zeigten sich während der Anhörung aufgeschlossen für eine differenzierte Betrachtung. Juristen haben in der Vergangenheit bereits mehrfach festgestellt, dass nationale Verbote auch nach EU-Vorgaben Bestand haben können, und das aktuelle Verfahren setzt diese Linie fort.

Verfahrensverlauf und nächste Schritte

Die mündliche Verhandlung am 17. September 2026 lief über mehrere Stunden, in denen Sachverständige und Vertreter beider Seiten ihre Positionen darlegten, und eine Entscheidung des BGH wird in den kommenden Monaten erwartet. Prozessbeobachter notieren, dass das Gericht besonderes Augenmerk auf die Abgrenzung zwischen vor und nach 2021 entstandenen Verlusten legte, während es gleichzeitig die europarechtlichen Vorgaben einbezog. Sollte der Bundesgerichtshof die Erstattungsansprüche bestätigen, könnten weitere Instanzverfahren schneller abgeschlossen werden, und Betroffene erhielten dann eine klarere Rechtsgrundlage für ihre Forderungen.

Fazit

Das Leitentscheidungsverfahren I ZR 216/25 vor dem Bundesgerichtshof markiert einen wichtigen Schritt in der rechtlichen Aufarbeitung illegaler Online-Glücksspiele in Deutschland, und die Verhandlung vom 17. September 2026 hat gezeigt, wie eng nationale Regelungen mit europäischen Vorgaben verknüpft sind. Mit dem EuGH-Urteil vom April 2026 als Grundlage könnte der BGH eine Entscheidung treffen, die Tausende von Rückerstattungsklagen beeinflusst und die Praxis der Gerichte in vergleichbaren Fällen vereinheitlicht. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, während Anwälte und Betroffene die Urteilsbegründung genau verfolgen.